ADS / ADHS

 

„Ob der Philipp heute still wohl bei Tische sitzen will?"

Heinrich Hofmann im „Struwwelpeter"

 

ADS/ADHS scheint gerade eine Modekrankheit zu sein, aber die Erkrankung ist nicht neu. Schon der Frankfurter Neurologe Heinrich Hofmann hat schon 1846 im „Struwwelpeter" in den Geschichten von Hanns-Guck-in-die-Luft und vom Zappelphilipp die beiden Varianten das ADS mit und ohne Hyperaktivität dargestellt.

Die Angaben zur Häufigkeit der Erkrankung variieren abhängig von der Studie und dem Kulturkreis zwischen 2 und 9,5 %. Eine 2006 vom Robert-Koch-Institut und dem Bundesgesundheitsministerium durchgeführte Untersuchung (KIGGS 2006) kommt zu einer Häufigkeit von 5-6%. ADS/ADHS  ist damit eine der häufigsten Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Man kann davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse mindestens 2 Kinder betroffen sind. ADS/ADHS ist in der Schule weit verbreitet und sorgt bei allen Betroffen für erheblichen Leidensdruck, der die Situation der ADS/ADHS-Kinder erheblich verschlimmert.

ADS/ADHS zeigt sich vor allem durch Störungen der Aufmerksamkeit, Konzentrationsschwäche,  körperliche Unruhe, starkem Bewegungsdrang (Hyperaktivität) und impulsives Verhalten. Entsprechend werden drei Typen unterschieden, der vorwiegend unaufmerksame ADS-Typ, der vorwiegend hyperaktiv-impulsive Typ und der Mischtyp. Frühzeitige Diagnose und Behandlung ist wichtig für die positive Entwicklung der Kinder.

Das Erscheinungsbild der Erkrankung unterscheidet sich je nach Altersgruppe. Das ADS/ADHS -Vollbild entwickelt sich im Kindergarten- und Schulalter. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass die Symptome mit dem Heranwachsen zwar abnehmen, aber noch bei 70-75% der Patienten ADS/ADHS im Erwachsenenalter bestehen bleibt.  Erwachsene ADS/ADHS Patienten leiden dann unter  innerer Unruhe, Vergesslichkeit, Schwierigkeiten, Gesprächen aufmerksam zu folgen oder es zeigen sich ADS/ADHS Symptome wie schneller Wechsel von Gemütszuständen, Probleme in der Selbstorganisation und Reizbarkeit.

ADS/ADHS ist ein sehr komplexes Krankheitsbild. Die Ursachen und auslösenden Faktoren sind noch nicht bis ins Detail geklärt bzw. bekannt. Es liegt eine genetische Disposition vor, zu der weitere auslösende Faktoren hinzutreten müssen.
Die konventionelle Therapie besteht heute aus mehreren Bausteinen. Einer davon ist der Einsatz von Psychostimulanzien, das bekannteste Präparat ist Ritalin®. Häufig wird der Therapieprogramm zur Behandlung von Kindern mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten, THOP, angewendet. Es besteht aus zwei Teilprogrammen. Dem Eltern-Kind-Programm, mit dem Ziel Verhaltensstörungen in der Familie zu reduzieren und das Erzieher/Lehrer-Kind-Programm zur Reduzierung von Verhaltensstörungen im Kindergarten / der Schule. Die Behandlung beinhaltet neben der medikamentösen Therapie auch Psychotherapie, Coaching, Konzentrationstraining und bei zusätzlichen Teilleistungsstörungen spezielle Förderung.

In der naturheilkundlichen Therapie zeigt die klassische Homöopathie gute Behandlungserfolge. 2005 wurde an der Universität Bern eine Studie durchgeführt. In dieser Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie, die wissenschaftlichen Standards entspricht, konnte eine positive Wirkung der Homöopathie bei ADS/ADHS gezeigt werden. Von einer Selbsttherapie ist trotz der sanften, homöopathischen Methode abzuraten. Eine so schwerwiegende Erkrankung bedarf der Behandlung durch erfahrene homöopathisch tätige Therapeuten.
Weiterhin bieten sich verschieden Entspannungsverfahren wie Meditation oder Autogenes Training an, um  die Patienten zu unterstützen. Auch mit Craniosacraler Osteopathie und bestimmten orthomolekularen Therapeutika können gute Erfolge erzielt werden.

ADS ist eine komplexe Verhaltensstörung. Symptome sind sehr ähnlich, doch Auslöser und verschlimmernde Faktoren bei jedem Kind unterschiedlich. Daher muss auch die Therapie individuell angepasst werden.